Montag, 1. August 2016

Das Vorbereitungsseminar - Rückblick

Wer kennt es nicht? Die Aufregung für das Jahr im Ausland steigt, pegelt sich ein und plötzlich ist es wieder vergessen. Und das in einer ständigen Schleife. Ich denke jeder macht diese Phase vor dem Jahr durch und viele schaffen es durch das Vorbereitungsseminar darüber hinaus. Damit ihr nachvollziehen könnt wie man sich bei dieser Bewältigung fühlt fasse ich mal die unglaublichen 10 Tage des Vorbereitungsseminars zusammen.

Es ist 4:20 und mein Wecker klingelt mich aus dem 3 Stundenschlaf. Ich erinner mich noch genau, wie ich am Vorabend meinen Rucksack gepackt habe, die Listen für das Seminar noch einmal durchgegangen bin und schließlich alle nötigen Papiere und meinen Laptop eingepackt habe. Ach ja und ganz wichtig für die Fahrt war es natürlich auch den nötigen Proviant am Vortag zu machen, da ich weiß, wie wenig man an diesem Morgen motiviert ist solche Dinge zu erledigen. 4:30 war ich dann aufgestanden und bereit mich den Anforderungen des Tages zu stellen. Ich packte die letzten nötigen Sachen ein, schrieb mit Henryk (jemand der mit mir fährt) und machte mich dann so langsam auf den Weg zum Zug. Ich ging nochmal alles im Kopf durch und vergewisserte mich, dass ich meine Fahrkarte dabei hatte ... und schließlich stand ich in der S-Bahn Richtung Dresden Neustadt. Auf der Fahrt von Dresden Neustadt nach Frankfurt a.M. war nichts besonderes los, außer das ich ein paar sehr nette Menschen getroffen habe, mit denen ich quatschen konnte. Von Frankfurt a.M. nach Karlsruhe jedoch hatten sich ein paar Menschen entschieden auf den Gleisen zu stehen, weshalb wir mit 15 Minuten Verspätung einfuhren. Pünktlichkeit ist eine Zier, welche die Bahn bis ins kleinste Detail beherrscht. Wir kamen mit dem Anschlusszug genau in der gleichen Sekunde an. Wäre da nicht Henryk gewesen, der schon im Voraus mit mir abgesprochen hatte, dass wir uns in dem Zug treffen, hätte ich den Zug sehr wahrscheinlich verpasst. Also spurtete ich los mit über 20kg baumelndem Gepäck auf dem Rücken ... den Bahnsteig lang ... die Rolltreppe runter mit vollem Gepäck und einen Mann anrempelnd und schließlich auf der anderen Seite total außer Atem hoch gerannt. Henryk stand in der einzig offenen Tür und ich rannte mit einem breiten Grinsen auf ihn zu. Hinter mir hörte ich noch weitere Leute kommen und wir hielten die Tür solange auf. Eine Person stach ins Auge: großer, prall gefüllter Rucksack und mit einem herzlichen Lachen im Gesicht als ich fragte, ob sie auch zu den Freunden wolle. Wir tranken erstmal was auf diese kurze Tortur und kamen dann demnächst ins reden über Gott und die Welt. So fuhren wir als Dreiergespann durch den Schwarzwald bis nach Freudenstadt. In Freudenstadt trafen wir auf die nächsten Freunde die den Weg zur Jugendherberge suchten und gemeinsam fragten wir jemanden, der uns am Ende nur die Strasse hoch schickte und dann waren wir da. Wir wurden ganz herzlich begrüßt und sofort teilten wir uns auf die Zimmer auf, planten die Abwaschliste und trugen ein paar Workshops ein, welche wir anbieten würden. Nachdem unsere Zimmer bezogen waren holten Henryk und ich unsere Kamera raus und machten Bilder von Neuankömmlingen, Bastelnden und den Teamern. Außerdem bastelten wir auch unsere eigenen Namensschilder für das Seminar, damit die Verständigung um einiges erleichtert werden würde. Nach der Stärkung, die uns durch die Jugendherberge zur Verfügung gestellt wurde, durch Kaffee und Kuchen trafen wir uns alle im Gandhi-Raum (der größte Seminarraum der Jugendherberge). Jeder der 60 Teilnehmer stellte sich nochmal mit der Einrichtung und seinem eigenen Namen vor. Nun hatten wir alle einen groben Überblick, die Woche wurde so gut wie möglich vorgeplant und die erste Info, dass wir am nächsten Tag wandern gehen würden wurde verkündet. In der großen Runde bekam jeder ein nützliches Geschenk, dass jemand anderes mitgebracht hatte und wurden auf diese weise in die 'liebevollen Kleingruppen' eingeteilt (insgesamt 4). Wir gingen essen und uns unterhalten und um 21:30 trafen wir uns wieder im Gandhi-Raum zur Sternstunde. Wir bekamen wieder Informationen wie das Seminar geregelt sein würde und danach wurden Kerzen angezündet und die Lichter gelöscht. Da saßen wir nun in einem von Kerzenschein belichteten Raum voller neuer Menschen, welche alle aus einem Grund hier zusammen trafen: wir wollen uns im Ausland mit Erfahrung bereichern und dabei völkerverständigend wirken. Und dies ist kein leichtes Unterfangen, welches unüberlegt angetreten werden kann. Am Ende dieses Tages wurden wir aufgefordert in unsere Arbeitsbücher einen Tagesrückblick zu schreiben und wir sangen noch ein skandinavisches Abschiedslied: Vem kan segla.
Ich fahre in einem gerade fast leeren ICE
So wird man auf dem Seminar begrüßt
Am nächsten Tag waren fast alle um 7:30 in ihren Workshops um sich gut auf den Tag vorzubereiten. Manche gingen joggen, andere sangen, ein paar machten Impro-Theater und wieder andere Freeletics. Nach dieser Aufwachphase stärkten wir uns für den Tag und stiegen in unsere Wanderklamotten, denn heute sollten wir durch den Schwarzwald wandern und dabei verschiedene Aufgaben erledigen, wie z.B. unsere Nähe und Distanz zu anderen Personen herauszufinden und klar zu artikulieren. Gegen Mittag fing es dann an zu regnen und wir flüchteten uns nach einiger Suche unter ein Carport bis der Regen aufhörte. Kaum war die Sonne raus gingen wir zur nähsten Wanderhütte um uns dort über unsere Anforderungen, unseren Befürchtungen und Zielen für das Auslandsjahr im klaren zu werden. Durch die mangelnde Motivation durchnässt in der Jugendherberge anzukommen sind wir lediglich zur S-Bahn-Station gelaufen und nahmen den sicheren Zug. Im trocknen lässt es sich doch besser denken ... Wir wuschen, trockneten und wärmten uns. Danach trafen wir uns wieder in der Kleingruppe und besprachen was wir uns aufgeschrieben hatten.
Und wir schützen uns unterm Carport
Im Verlauf des nächsten Tages bekamen wir einen Einblick in die gewaltfreie Kommunikation und damit verbunden in verschiedene Ansichten über die Persönlichkeit eines Menschen (natürlich sehr auf Rudolph Steiner basiert). Wir erfuhren was wir die nächsten Tage machten und jagten einem goldenen Schatz hinterher. Ein paar gingen in die nahegelegene Waldorfschule, andere in einen Kindergarten, die nächsten in ein Camp und Henryk und ich besuchten den etwas weiter entfernten Demeterhof HofBauernHof (http://www.hofbauernhof.org/titel/index.php). Dort lernten wir was es bedeutet auf dem Feld zu stehen und sein Essen herzustellen. Unkraut jähten, düngen und Tiere versorgen. Aber auch, was es bedeutet in einer Gemeinschaft zu arbeiten und jede Arbeit so gut wie möglich auf alle zu verteilen, sodass niemand überlastet ist. Dieses kleine Praktikum war eine sehr gute Auszeit von dem Trubel aus der Jugendherberge und wir hatten dort Zeit alles was wir die Tage über erlebt hatten zu verarbeiten, Zurück in der Jugendherberge war es genau umgekehrt: wir stemmten uns der immerwährenden Frage wie es auf dem Bauernhof war und was wir erlebt hätten. Die nächsten Tage vergingen wie im Flug: wir hörten 2 Tage lang etwas über Rudolph Steiner und seine Lebensphilosophie, wurden über die medizinischen Tücken in unseren Ländern aufgeklärt und eine Freundearbeiterin stand uns Rede und Antwort bei all dem ganzen Papierkram den wir erldigen müssen. Einige FSJler bereiten kleinere Präsentationen vor und so lernten wir mehr über indisches Essen und die Trolle aus Skandinavien. Auch der Orientierungslauf durfte dabei nicht fehlen. Und so gelangten wir schließlich wieder zu einer kleineren Wanderung am letzten Mittwoch, wobei wir uns in unseren Kleingruppen gegenseitig ein Feedback gaben, wie wir uns erlebten und was wir uns für das Jahr wünschten. Am Abend haben wir dann eine wunderschöne Abschiedsfeier veranstaltet und ein paar haben die Nacht bei leichtem Regen draußen auf der Wiese unter einer großen Plane übernachtet.
Wir wurden 10 Minuten vor 6 Uhr von den ersten Vögeln und Sonnenstrahlen geweckt. Wir machten uns dann frisch und gingen frühstücken um die letzten Stunden mit den Anderen genießen zu können. Der Abschied fiel so wirklich niemandem leicht, obwohl wir uns gerade erst 10 Tage kannten ... und nach gefühlten 2 Stunden umarmen, singen und sich gegenseitig Trost zu sprechen lösten wir uns in alle Himmelsrichtungen auf.
Direkt 14:27 fuhr mein Zug aus Freudenstadt aus um eine 9 Stunden Reise mit Klara auf mich zu nehmen um wieder in Dresden an zu kommen (natürlich hatten wir auch hier Verspätung, allerdings verpassten wir dadurch unseren Anschluss-ICE). Zuhause angekommen fiel ich total überwältigt, glücklich und kulturgeschockt von der Kleinstadt Meißen in mein Bett und schlief bis in die späten Morgenstunden.
Und hier sieht man die gesamte Truppe Freiwilliger

Mittwoch, 6. Juli 2016

Spendenaufruf an alle

Hallo alle zusammen :)

Wie ihr ja wahrscheinlich schon im Titel seht, geht es in diesem Beitrag darüber, dass ich noch eine große Summe an Spendengeldern brauche. Falls ich es euch noch nicht erzählt habe: ich muss 30% der Kosten für ein Auslandsjahr durch Spendengelder sammeln. Die restlichen 70% werden vom Staat gefördert. allerdings sind selbst 30% ein ganz schöner Batzen Geld ... um konkret zu sein: 3300€. Das muss ich alles noch sammeln, bevor es nach Südindien geht. Daher kommt von meiner Seite her nochmal die Bitte: spendet mir einen Betrag über leetchi.com (https://www.leetchi.com/c/soziales-von-albrecht-guenz) oder schreibt mich an, wenn ihr weitere Informationen oder eine andere Möglichkeit der Spende für mich habt.

Ich danke euch auf jeden Fall schon mal im Voraus und einen schönen Abend wünscht euch euer Albrecht.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Die Vorbereitungen laufen

Viel Zeit ist vergangen seit meinem letzten Eintrag und es ist gefühlt auch genauso viel passiert. Ich habe mich bei etlichen Einsatzstellen beworben und habe fast genauso viele Absagen zurück bekommen ... nach jeder Absage ging oft eine neue Bewerbung an eine andere Einsatzstelle hinaus um einen Platz im Weltwärtsprogramm zu bekommen. Letztendlich dauerte es 4 Monate bis ich eine vage Zusage aus Südafrika erhielt. Die Euphorie war groß und die Planung begann. Doch so schnell das Ganze begann, so schnell endete es auch; kein Visum für Südafrika lautete die Nachricht. Nach weiteren Gesprächen mit den Vertrauenspersonen bei den Freunden der Erziehungskunst habe ich mich noch in Indien im Muhil Healthcare Center beworben. Kaum war die Bewerbung raus erhielt ich sofort am nächsten Werktag die Zusage für die Einsatzstelle. Ich konnte mein Glück kaum fassen als ich von der Tanzstunde nach Hause fuhr ... Euphorisch wie ich war gondelte ich mit dem Fahrrad durch die Straßen mit einem Grinsen auf dem Gesicht, das sich breiter anfühlte als das der Katze aus Alice im Wunderland. Zuhause angekommen kamen mir dann erstmal die ersten Zweifel, ob Indien wirklich so eine gute Idee ist und was ich dort alles beachten müsse.
Dann kam am Freitag die nächste Hürde: ich musste mein Abitur schaffen ... mit einem Notenpunkt in dem schriftlichen Abitur vorbeigerutscht ... Das bedeutete für mich, dass ich eine zusätzliche mündliche Prüfung mit mindestens 6 Notenpunkten bestehen musste. Damit meine Einrichtung in Indien sich nicht wundert warum ich so spät zusagen möchte schrieb ich ihr und bekam eine super aufbauende Nachricht zurück: Wir wünschen dir alles Gute für die Prüfungen. Lass uns wissen wenn es soweit ist. Wir warten auf dich :) So konnte doch echt nichts mehr schief gehen.
Der Tag der mündlichen Prüfung rückte immer näher. Die gesamte Woche davor habe ich nur gelernt um dann am Samstag davor nochmal eine kleine Lernpause zu machen ... Tanzabschlussprüfungen im Standard und Lateintanz. Für mich bedeutete dies 3 Prüfungen an dem Samstag zu tanzen. Nach diesem Marathon war ich natürlich ausgepowert und ging mit ein paar Freunden noch in die Stadt etwas essen. Wir quatschten und unterhielten uns ausgelassen über das Auslandsjahr und die Tanzprüfung ... Während wir einen Moment lang nicht auf meinen Rucksack aufpassten geschah was geschehen musste: der Rucksack wurde geklaut; innerhalb einer Minute wo wir nicht aufpassten. Sämtliche Dokumente wie Personalausweis usw. sowie EC-Karte und alle möglichen Unterlagen über Arbeiten und die Abivorbereitung waren verschwunden. Wir suchten sofort die nähere Umgebung nach dem Rucksack ab - erfolglos. Er könnte überall in jedem Hinterhof sein. Ich beschloss, da es schon sehr spät am Abend war, die letzte S-Bahn Richtung Heimat zu nehmen und eine Facebookaktion zu starten, damit der Rucksack wieder seinen Weg zu mir findet. Tatsächlich bekam ich dann  zwei Tage später die ersten Unterlagen aus dem Laptopfach wieder ... Sämtliche Wege zu den Behörden wurden schon gemacht und alles gesperrt oder neu beantragt. Allerdings wurde auch meine medizinische Versorgung geklaut. Nachdem ich dies meiner Lehrerin mitteilte wurde ich am Montag nicht zur mündlichen Abiturprüfung zugelassen und zu meinem Hausarzt geschickt um einen Krankenschein abzuholen. Da ich am selben Tag noch meinen Diabetologen aufsuchte war ich sofort wieder ausreichend medizinisch versorgt und konnte am Mittwoch darauf die Prüfung nachholen. Prompt bestand ich die Prüfung und sagte am Abend dann meiner PPA (Project Partner Agreement) zu. Schlag auf schlag kamen die nächsten Schritte auf mich zu: Spenden sammeln, Reisepass abholen und dann die Papiere der Freunde durchlesen, damit ich auch ja keine Information verpasse.
Das nächste Ereignis steht kurz vor der Tür: die Bunte Republik Neustadt (BRN). Es ist das Highlight im Raum Dresden für alle jungen Menschen und eine super Möglichkeit Personen für das FSJ zu begeistern. Also rüstete ich auf - baute Schilder, richtete ein Ordnersystem in meiner Kamera ein und druckte Ordnerlisten aus. Ich fragte meine Fotografiefreundin Jenny, ob sie nicht zufällig Lust hätte mir zu helfen und sie sagte zu. Nun waren wir zu zweit super für drei volle Tage Erlebnis pur gerüstet. Wir trafen viele hilfsbereite Menschen die wir mit einiger Überredungskunst dazu bringen konnten etwas in den Klingelbeutel für das FSJ zu werfen. Damit diese auch nicht leer ausgehen gab es für jede Gruppe ein Foto als Erinnerung an die BRN. Leider ist Jenny dann am zweiten Tag so stark erkrankt, dass es nicht mehr möglich war bei den Foto-Spenden-Touren weiter mit zu machen. In dem Zusammenhang möchte ich mich erstmal sehr bei Jenny, Paula und all den anonymen Spendern von der BRN bedanken, dass ihr mich so sehr bei meinem FSJ unterstützt. Nun laufen die Arbeiten des E-Mail-Verteilers für die 160 Gruppen und mein Postfach sowie auch mein Computer kommen an ihre Belastungsgrenzen. Doch das nächste Spendenevent lässt schon auf sich warten: das Dresdner Elbhangfest.
Jenny und ich bei einer Verschnaufpause
In dem Sinne hör ich hier auf und halte euch weiterhin auf dem laufenden über die Entwicklung in den Vorbereitungen sowie das bevorstehende Vorbereitungsseminar vom 12.7. bis 21.7.2016.

Eine frohe Woche wünscht euch euer Albrecht :)

Samstag, 16. Januar 2016

Das Orientierungsseminar


Es ist nun viel Zeit vergangen und es hat sich inzwischen ein bisschen was getan. Ich habe mein Orientierungsseminar jetzt abgeschlossen und bin um einige Erfahrungen gewachsen, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. 
Es ist Donnerstag Abend und ich gehe im Kopf nochmal die Liste durch: Zahnputzzeug, Handtuch, Unterhosen, Hemd, Schlafsack, Kraxe, T-Shirt, Sportzeug, Medizin, ein Buch von Fintelmann, Schulzeug zum Lernen, Ladekabel und das Akkupack für mein Smartphone. Hab ich irgendwas vergessen? Ich gehe nochmal in mich ... das Geld für die Fahrt fehlt noch ... Proviant ist auch nicht da ...  Okay. Ich denke ich hab alles zusammen. Mit einer vollen Kraxe geht es dann aus dem Haus um in Dresden zu übernachten und am nächsten Morgen früh den Sportunterricht noch mit zu machen. In der Bahn bekommt man flüchtige Blicke zugeworfen und in der Schule wird gefragt wo es denn hinginge und ob man in der Schule übernachten möchte. Die Antworten sind vom Inhalt her identisch: ich übernachte am Wochenende in der Parzival Schule in Karlsruhe - eine Waldorfschule. Man konnte schon auf die nächste Frage, warum man dort hin ginge, warten. Geduldig erklärte ich jedem immer wieder, dass ich ein FSJ im Ausland machen will und ich dafür ein Orientierungsseminar brauche. Verschwitzt und mit fusseligem Mund komme ich aus dem Sportunterricht und platze fast vor Vorfreude auf das Seminar. Ich steige in die Straßenbahn zum Bahnhof ein und mache sofort Bekanntschaft mit einem jungen Erzieher, der gerade die Waldorfpädagogik studiert hat und freut sich, dass es weiterhin junge Menschen gibt, die sich dafür interessieren. Schließlich steh ich in der Bahnhofshalle vom Dresdner Hauptbahnhof und fühle mich als hätte ich was vergessen. 

Ich hab nichts vergessen. Im Bahnhof warte ich fast eine Stunde und spreche mich via Whatsapp mit meiner Mitfahrerin Ann-Kristin ab wie wir noch jemanden finden können der mitfahren will. Ich spreche so einige fremde Gesichter an und schließlich hab ich jemanden an der Angel. Stefan muss über Hof nach Nürnberg und von dort nach Hause. Wir freunden uns an und wir treten eine wirklich sehr schöne und entspannte Reise durch ein verschneites Deutschland an. Wir steigen in Hof nach Nürnberg um; haben auf der Strecke genug Verspätung um unseren Anschlusszug zu bekommen und nehmen in Nürnberg einen anderen nach Würzburg, der eher ankommt als der Anschlusszug. Von Würzburg geht es dann nach Bietigheim-Bissingen und weiter nach Karlsruhe. In der Bahn nach Karlsruhe ruft mich meine Schwester an um mir etwas mitzuteilen und ich erwähne das Ori. Eine bisher stille Person neben uns wird hellhörig und spricht uns an ob wir auch zu den Freunden wollen. 

Wir haben Laura kennengelernt. Da wir alle drei keine Ahnung haben wie wir zur Jugendherberge kommen suche ich mit dem Handy eine Verbindung raus, aber wo müssen wir raus aus dem Bahnhof? Natürlich laufen wir in die komplett falsche Richtung und landen bei den Fernbussen statt bei den Straßenbahnen. Unterwegs zur Juhi sehen wir einige Möglichkeiten um nachher noch Abendbrot zu essen ... Schließlich sind wir da. Nur wo ist der Check-in? Niemand steht am Empfang und wir warten fast eine halbe Stunde. Irgendwann fällt uns ein Knopf auf unter der Theke wo man klingeln muss. Kaum haben wir geklingelt kommen zwei Damen aus dem Nebenraum und nehmen unsere Personalien auf um die mit der Liste der Freunde zu vergleichen. Geschafft!! Wir haben endlich eine Unterkunft und können uns in die Stadt begeben um Abendbrot zu essen. Spät in der Nacht lernen wir noch ein paar weitere Bewerber kennen und unterhalten uns noch ein bisschen. 
8:00. Der Wecker klingelt und wir kommen wie gerädert aus den Betten. Die morgendliche Routine wird von jedem ausgeführt und dann gehts ab zum Frühstück. Kaffee, Brötchen, Müsli und Saft. 

Gut genährt machen wir uns mit einem Großteil der Bewerber auf die Socken um zur Waldorfschule zu laufen. Ein wunderschöner kalter Wintermorgen der uns alle etwas schneller laufen lässt ist angebrochen und wir laufen mittendurch. Karlsruhe ist eine interessante Stadt: zwischen moderner Architektur und barocken Gärten sieht man so ziemlich alle architektonischen Epochen. 
Wir werden herzlich begrüßt und müssen als erstes unsere Schlaflager aufbauen. Kurz nach 11 sammeln wir uns alle in einem Stuhlkreis in der Aula und alle stellen sich vor ... auf spielerische Weise. Als zweites wird das Sozialspiel Ameisenkönig verbreitet und die ersten Handlung fangen an zu laufen ... ich muss meine Schuhe immer im Stuhlkreis ausziehen. Den ganzen Tag über reden wir über Waldorf und die Formen des Freiwilligendienstes. Mir persönlich würde viel Angst vor dem FSJ genommen und ich fühle mich in meiner Entscheidung gestärkt ins Ausland zu gehen. Damit die ganze Theorie nicht so ermüdend wird gibt es zwischendurch verschiedene Wups (WarmUps) die den Kreislauf wieder anregen. Der Tag vergeht wie im Flug und ich lerne viele neue Menschen kenn, die alle nur eins wollen: raus aus der Heimat und die Welt entdecken und Horizonte zu erweitern. Der Tag endet mit Ehemaligenberichten von unseren Betreuern und klingt mit einem Nachtspaziergang durch Karlsruhe und eine Bar sowie in der Nacht mit dem Spiel Werwolf aus. 

6:45 und der Wecker klingelt nach 4,5 Stunden Schlaf. Ich bin einer der ersten die aufwachen und duschen gehen, denn so hab ich mehr Zeit dafür. Die anderen Bewerber die auch schon wach sind stehen langsam auf und wir helfen den Betreuern das Frühstück vorzubereiten. Wir haben einen strengen Zeitplan, da die Berater der Freunde jeden Moment kommen und uns nochmal prüfen, ob wir dieses Auslandsjahr wirklich wollen. Bei mir ist alles klar und davon konnte ich auch den Berater überzeugen. Wir bekommen Tipps und Tricks für unsere Bewerbungen und das Unterstützerkreiskonzept. Schließlich wird auch dieser Punkt abgeschlossen und die Bewerber zerstreuen sich wieder in alle Himmelsrichtungen ... aber nicht ohne in eine Whatsappgruppe zu treten, damit wir alle in Kontakt bleiben können. Wir fahren geschlossen zum Hauptbahnhof und steigen in unsere Busse oder Züge ein. Die Heimfahrt dauert bei uns ca. 8,5 Stunden. Um diese lange Zeitspanne zu überbrücken hören wir Musik, lesen Bücher und schlafen schonmal Schlaf vor. Aus allen Ecken von Deutschland kommen Meldungen rein, dass man gut angekommen ist oder der Bus/ Zug sich verspätet hat. Letztendlich kommen wir auch in Dresden an und gegen 0:30 steh ich dann vor meiner Unterkunft. Ich werde freundlich begrüßt und die Augen schließen sich schon fast automatisch. 

In dem Sinne: eine gute Nacht und wir hören uns bei weiteren Neuigkeiten. 

Euer Albrecht

Sonntag, 6. Dezember 2015

Alles wird in die Wege geleitet ...

    So ein erster Eintrag ist spannend. Ich habe mich heute entschlossen den Blog zu starten, da ich im nächsten Jahr hoffentlich ein Auslands-FSJ machen werde.

    Wie kam ich eigentlich darauf ein Auslands-FSJ zu machen? Ich hatte in der Mittelschule den Wunsch Mathe-Chemie-Lehramt zu studieren. Ich absolvierte meinen Realschulabschluss und wechselte die Schule um mein Abitur zu machen. Ich war höchstmotiviert ein sehr gutes Abitur zu schreiben und dann als Student an der TU Dresden oder irgendwo anders meinem Traum  nach zu gehen. Im ersten Jahr an der Schule sind meine Noten eingebrochen. Die Anforderungen, die das BSZ gestellt hatte, waren für mich sehr hoch gesteckt und so kassierte ich die ein oder andere schlechte Note. In der 12. Klasse sank meine Motivation Mathe-Chemie-Lehramt zu studieren und ich ging planlos durch die Welt. Ein Nebenjob beim Konditor, dann mal in der Bäckerei oder auch beim Rechtsanwalt und das alles um Erfahrungen zu sammeln und eine mögliche Perspektive für mein späteres Leben zu finden.

    Am Ende der 12 habe ich mich entschieden, dass ich ein FSJ im Ausland machen möchte, da ich noch ein Jahr zur Selbstfindung brauchte,  und habe angefangen mich umzuschauen. Wo gibt es Einsatzstellen? Was will ich überhaupt machen? Was habe ich für Anforderungen an die Stelle? Wer aus meinem Freundeskreis kennt Organisationen und Einsatzstellen? Nach 3 Monaten hab ich mich dann für eine Organisation entschieden, die mir sehr zugesagt hat. Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. haben mich überzeugt und somit habe ich begonnen mich zu bewerben. Zuerst fitzt man sich durch die Onlinebewerbung, wobei ich leider alles 3x ausfüllen musste, da mein Internet/ Computer gebuggt hat. Nach 3 maliger Anmeldung war es endlich so weit: Ich war im Programm drin. War das ein großer Schritt für meinen Lebensweg?! Ich werde es sehen, wenn ich mein FSJ beendet habe. Doch bis dahin ist noch viel zu tun ...


Liebe Grüße Albrecht
Die Dokumente für weitere Vorgänge bis zum FSJ